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Die Antwort ist einfach: Restaurierungsberatung ist eine Planungsleistung.

Der Restaurierungsberater plant genau wie ein Architekt. Er entwirft das Konzept für Restaurierungen und sorgt für die konkrete Ausführung, er verantwortet, betreut und koordiniert die Umsetzung. Dabei legt der Restaurierungsplaner nicht selbst Hand an.

Der Restaurierungsberater verpflichtet sich gegenüber seinem Auftraggeber zur Neutralität und Überparteilichkeit. Das bedeutet Unabhängigkeit gegenüber Hersteller- und Lieferinteressen, Entscheidungsfreiheit in der Methodenauswahl, Kostenkontrolle durch Ausschreibungsverfahren.

Juristisch hat die Restaurierungsberatung Ende 2005 ihre offizielle Anerkennung erfahren. In einem Spruch der Vergabekammer Darmstadt wurde festgestellt:

Restaurierungsberatung und -planung kann nicht einfach von anderen Planern “mitübernommen” werden, sondern ist eine eigenständige Fachplanung, die restauratorische Erfahrung erfordert (ausführlich hier).

Das ist aber nur die formale Seite der Medaille. Restaurierungsberatung ist viel mehr - nämlich ein technischer und sozialer Aushandlungsprozess. Dazu ein Beispiel:

Das Fördergerüst in Sondershausen, Thüringen, wurde in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts untersucht, weil seine Korrosionsschutzbeschichtung erneuert werden sollte. Bei der Untersuchung kam heraus, dass die ursprüngliche Beschichtung schwarz gewesen war. In der DDR war das Fördergerüst blau angestrichen worden. Dieser Farbton war noch bei der Bevölkerung vor Ort präsent. Als dann der Farbton für die neue Beschichtung festgelegt werden sollte, war die Meinung der Experten zunächst, dass man das Fördergerüst wieder schwarz anstreichen sollte. Daraufhin kam es zu Protesten in der lokalen Bevölkerung: „Unser Fördergerüst war aber immer blau!“ Schließlich wurde ein Kompromiss gefunden – das Fördergerüst ist heute tiefblau. Von weitem wirkt es jetzt wieder schwarz (Expertenmeinung), von nahem blau (Betroffenenmeinung).

Das Fördergerüst in Sonderhausen, Thüringen, als Beispiel für den sozialen Aushandlungsprozess von Restaurierung (Foto K. Götz).

Das Fördergerüst ist damit ein perfektes Beispiel dafür, was unter sozialer Aushandlung von Restaurierung verstanden werden kann! Für den Korrosionsschutz ist es ohnehin unerheblich, in welchem Farbton er ausgeführt wird. Er muss nur seinen Zweck erfüllen. Der besteht darin, die Tragkonstruktion möglichst lange vor Rost zu schützen.

Die ’gute Praxis’‚ der Restaurierungsberatung muss meiner Meinung nach unbedingt alle drei Aspekte im Blick haben: Die formale, die technische und die soziale Seite eines Projektes!

Kornelius Götz
 

Bild des Benutzers Kornelius Goetz

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